14. Februar 2019

Vertrauen heisst meins und deins ausbalancieren

Vertrauen entsteht im Raum zwischen uns

Allgemein | Führung | Martin Zahner | Vertrauen

Es hat mich bewegt wie viele Reaktionen, Likes und Kommentare der Artikel zum Thema Vertrauen «Vertrauen – der harte ökonomische Faktor in Organisationen» ausgelöst hat – das Thema verbindet uns anscheinend alle. Ich bedanke mich für die vielen Kommentare, die Fenster darauf öffnen, wie und aus welchen Blickwinkeln wir auf das Thema schauen. Die Forderung an Management, Führungskräfte, Unternehmenskulturen steht nach dem Durchscrollen im Raum – MEHR Vertrauen. Wie geht es denn uns als Führungskräfte, die hier gefordert sind – wann vertrauen wir unserem Team, unseren Mitarbeitenden, unserer Belegschaft? Und andersrum, wann vertraue ich als Mitarbeiter meiner Chefin, meinem Chef, der Firma, den Unternehmenswerten?

Für den einen wächst Vertrauen, wenn die Performance stimmt, für den anderen , wenn jemand loyal bleibt (unabhängig von der Performance wohlgemerkt), für den dritten wenn er gehört und gesehen wird, und immer für fast alle, wenn sie nicht «bewertet», nicht in Schubladen versorgt werden. Der Bruch entsteht oftmals, wenn die Brücke zwischen den unterschiedlichen Perspektiven nicht gebaut wird. Vertrauen geht immer beide Seiten an.

Stephen Covey, der Sohn des im ersten Artikel genannten Franklyn Covey, hat einen sehr gelungenen Versuch der Annäherung ans Thema gemacht, und dort auch die «Gleichung» des ersten Bildes erstellt: https://amzn.to/2RSf0Pm. Sehr lesenswert für alle «Vertrauensforscher». Versprochen – Vertraut mir ;).

Wusstet ihr, dass wir alle gerne die anderen nach ihren Taten beurteilen und uns selbst oft nur nach unseren Absichten, die ja meist noch eine Differenz zu den tatsächlichen Taten zeigen und uns selber in besserem Licht erscheinen lassen. Das bringt mich zum Schluss, dass Vertrauensbildung eine Aufgabe ist, die bei uns selbst beginnt: Vertraue ich mir eigentlich selbst ? Einfordern ist das eine, selber in der Lage zu sein, Vertrauen zu schenken, das andere. Dies heisst, wir müssen erstmal unsere eigene innere Landkarte erforschen und herausfinden, wann vertraue ich ? Was brauche ich um zu vertrauen? Wie ticke ich? Vertrauen hat für mich immer mit Mut zu tun: mir selber und den anderen vertrauensvoll zu begegnen – mit allem was ich und der andere in diese Begegnung mitbringen. Vertrauen entsteht im interpersonellen Raum, im Raum zwischen uns. Vertrauen ist kein Zustand, sondern ein Prozess, der ständiges Ausbalancieren braucht – das Balancehalten zwischen Ansprüchen an andere, dem Wahrnehmen der Eigenverantwortung ans eigene Denken, Handeln und Spüren und den eigenen Bedürfnissen und sich selbst gegenüber vertrauenswürdig und verlässlich zu sein – dies braucht Pflege, Gespräche und Reflektionsrunden.

Ja, es lohnt sich das Thema Vertrauen zu thematisieren: Wie wird es gesehen für uns in dieser Situation, in diesem Unternehmen, in diesem Team, was heisst es für den Vorgesetzten, was für die anderen im Team?

Morgen vielleicht die Frage gleich mit ins Teammeeting mitbringen: Was heisst Vertrauen für dich, für euch, für uns als Team ?

So können Erwartungen geklärt und Wertehaltungen schneller abgeglichen werden.